Entschleunigt und neugeboren

Herbstliebe….das ist gemütlich Abends auf der Couch, vor dem knackenden Kamin, mit einer schönen Tasse Tee ein gutes Buch lesen, während es draußen stürmt und die Blätter sich mit dem Regen und dem Wind vereinen….hm….ja…klingt irgendwie nicht nach mir 😛 Ehrlich gesagt habe ich keinen Kamin, das einzige Feuer das ich regelmäßig sehe zündet eine Kerze zum Abendbrot oder eine Zigarette zum Feierabend-Bier an. Tee trinke ich nur, wenn ich krank oder schwanger bin und wirklich ungestört gelesen habe ich das letzte Mal bevor ich Kinder hatte. Seit Emil auf der Welt ist habe ich einige Bücher angefangen und dann nie zu Ende gelesen. Meistens habe ich nach mehreren Anläufen aufgegeben, da ich nach wenigen Seiten bereits ins Mutti-Koma gefallen bin. Allerdings kenne ich bestens mit Kinderlektüre aller Genre aus und kann viele Märchen schon auswendig…. ABER ich mag den Herbst. Ehrlich! Wenn die ersten kalten Tage beginnen dann sehne ich mich als im Sommer leidender „Dauerschwitzer“ bereits danach, endlich wieder bunte Strumpfhosen zu tragen und nicht jedes Mal noch schnell die Beine rasieren zu müssen, bevor ich das Haus verlasse. Modisch gesehen ist der Herbst meine absolute Lieblingszeit. Was für andere Schmuck bedeutet sind für mich Mützen, Schals, Tücher, Handschuhe, Strickjacken, Lederjacken, Minikleider aus kuscheligen Strickstoffen, Stulpen über derben Schuhen und kniehohe Stiefel… da kann ich Farben und Muster kombinieren was das Zeug hält und muss mich nicht für ein Teil entscheiden.

Und natürlich möchte ich als Schnittdesignerin auch meinen Beitrag zu eurer Herbstgarderobe leisten, und wenn ihr so wie ich auf Lagenlook und einen Hauch Boho steht, dann werde ich euch diesen Herbst wirklich glücklich machen. Ehrlich gesagt, bin ich ziemlich spät dran mit meiner „Herbstliebe“ denn der Herbst ist eigentlich schon vorbei. Das wurde mir am Donnerstag Morgen schmerzlich klar, als ich nach dem Aufstehen auf den Dächern des Nachbarhauses Schnee liegen sah. Wieder mal zu wenig Zeit gehabt, um alles in die Spur zu bringen. Nichts desto trotz habe ich ein paar wunderschöne Sachen entworfen und genäht, und will euch die tollen Bilder und Ideen für neue Schnittprojekte die der Herbst mir beschert hat, nicht vorenthalten. Ein bisschen ausholen muss ich aber noch um euch zu erzählen wie es mir erging, und es dazu kam das sich alles so verspätet hat und ich mich trotzdem aufgeladen, gelassen und gestärkt fühle (dafür ist so ein Blog ja auch da und ich hoffe, ihr seid da ganz bei mir).

Ich war ganz schön ausgepowert nach der Website Erstellung, wollte aber unbedingt mit der Arbeit am Herbstgöldchen weitermachen. Nach einigen Tagen habe ich gemerkt, dass es sich eher wie „Pflichtprogramm“ anfühlt und mich dazu entschieden, es erstmal bei Seite zu legen. Wirklich viel Luft für einen kreativen Schaffensprozess hatte ich auch nicht, da wir uns in einem an „Terminstress“ grenzenden Zustand befinden der meine volle Aufmerksamkeit für die Familie und Organisation erforderte (Und ehrlich gesagt habe ich auch an so manchem Abend die Matrossel Matrossel sein lassen und lieber die Beine unter die Couchdecke mit dem Weiberheld gesteckt). Emil kommt nächstes Jahr in die Schule und hat vorbereitend darauf schon jetzt gefühlte tausend Termine im Kinderhaus: von der Vorbereitung des jährlichen „Vorschülertheaterstücks“ bis hin zum Kinder-Yoga. Dazu kommen die Vorschülertreffen in der neuen Schule. Nun ist es ja leider nicht mehr so, dass man einfach einen Platz an der Schule bekommt, die man sich aussucht. Nein, es gibt wohl mehr Grundschüler als Plätze auf unserem Kiez. Also haben wir für die Schule unserer Wahl eine Stellungnahme zur Situation unsers Kindes verfasst und nehmen natürlich an allen Terminen teil um Interesse zu zeigen und einen Platz zu ergattern (schon irgendwie pervers).

Außerdem noch Termine bei der Ergotherapie. Da Emil beide Hände für Malen, Schneiden und Schreiben benutzt, haben wir hier herausfiltern können, dass die veranlagte Hand die Linke ist. Nun wird diese in den Therapiesitzungen (und einer Vorschüler-lefty-Gruppe) geschult und trainiert, damit das Schreiben in der Schule dann auch Barrierefrei von Statten geht. Schon spannend, was da so alles auf einen zu kommt und ich war zum ersten Mal heilfroh, dass Emil einfach keinen Bock auf einen Sportverein hat. Denn solche zusätzlichen Termine würden unsere Kapazitäten wirklich zum Bersten bringen. Und damit auch keine Langeweile aufkommt haben sich die Würmchen mit Krank sein abgewechselt, da war alles dabei von der gemeinen Angina bis hin zum Magen-Darm-Infekt. So habe ich mit Beiden viele Kuschel- und Tröste-Stunden im Bett und auf der Couch verbracht. Wieder einmal habe ich gemerkt das alles im Leben eine positive Seite hat: obwohl diese Krank-Tage wenig Schlaf bedeuteten, habe ich es auch ziemlich genossen intensive 1:1 Zeit mit jedem meiner Sprösslinge zu verbringen ohne ständig den Blick zur Seite auf die Arbeit zu werfen. Einfach mal alle Neune gerade sein lassen, irgendwie auch ein bisschen Luxus. Besonders die intensiven Gespräche mit dem Großen, den diese spannende Zeit vor der Schule doch ziemlich umtreibt waren wirklich aufschlussreich und haben mir bewusst gemacht, dass der Große mittlerweile wirklich groß geworden ist und äußerst interessante Fragen stellt.

Auch der Weiberheld und ich sind terminlich viel gebunden, denn die ersten Vorbereitungen für die Matrossel-Hochzeit im Juli 2017 laufen auf Hochtouren. Ich wundere mich mehr und mehr was es dabei alles vorzubereiten, auszufüllen, zu beantragen, zu bedenken und zu organisieren gibt obwohl oder gerade weil wir nicht eine „klassische“ Hochzeit vollziehen werden…man kommt dabei ja vom Hundertsten ins Tausende…aber dazu mehr an einer anderen Stelle…ich muss jetzt erstmal die Kurve zum Herbst zurück kriegen…Ende November startet bei uns der Geburtstagswahnsinn: bis zum 23.12. haben wir sage und schreibe 5 Geburtstage in der Familie zu feiern, die Weihnachtsvorbereitungen beginnen schon überall und sind für die Kinder natürlich das Schönste, Wichtigste und Aufregendste an der Vorweihnachtszeit. Mit steigendem Alter, und einer anscheinend damit einhergehenden Weisheit, ist der Herbst für mich daher mehr und mehr die Jahreszeit, in der ich versuche mich bewusst zu entschleunigen. Das Jahr Revue passieren zu lassen, Pläne für das nächste zu schmieden und mich zu überprüfen und auf das Wichtige zu besinnen, bevor ich am Jahresende wieder im Kreis rotiere. Und so habe ich irgendwie, trotz wenig Verschnaufpausen, eine ganze Menge Energie getankt und die kreativen Ströme konnten wieder ungehindert fließen.

Und nach der Matrossel-Abstinenz, der intensiven Familienzeit und den ersten kalten Tagen mit fallenden Blättern zuckten mir die Finger, und der Wunsch nach einem tollen neuen selbstgenähten Herbstoutfit, welches mein neugeborenes, entschleunigtes und regeneriertes Ich unterstreicht, gebar drei neue Schnitt-Ideen. Etliche Meter Stoff und einige Tage Digitalisierungsarbeit später habe ich es dann endlich mal wieder geschafft, einen Termin frei zu schaufeln um mich im Kuscheloutfit mit meiner Freundin Bine zum Fotografieren zu treffen. Schön bei knapp 8 Grad an der Elbe auf und ab Laufen (der aufmerksame Beobachter hat schon bemerkt das von Halbschuhen mit Stulpen auf die Kuschelstiefel wechseln musste) – herrlich. Wir haben herzlich darüber gelacht, dass ich ganz „editorial“ im Schlamm ausgerutscht bin und fast in die eiskalte Elbe gefallen wäre – das Ganze verbunden mit einem klassischen Herbstspaziergang und einem „durchgefroren-nach-getaner-Arbeit“ Feierabend Bier zu quatschen bis der Weiberheld anruft, und fragt ob ich verschollen bin. Ich habe dieses Mal 4 Abende damit verbracht sage und schriebe 2400 Fotos zu sichten (wie konnte das nur geschehen…ein hoch auf die Serienaufnahme) und ich muss sagen, dass meine Freundin immer besser hinter der Kamera wird. Wir haben gemeinsam absolut unseren Groove im Takt der Matrossel gefunden. Sie weiß mittlerweile genau was ich meine, wenn ich ihr beschreibe wie das Foto aussehen soll. Sie schafft es die Bilder genauso zu machen, wie ich sie selbst gemacht hätte – das ist echte Seelenverwandschaft <3

Von mir gibt es diesen Herbst also drei Konzeptschnitte die aufeinander abgestimmt sind, aber auch einzeln mit anderen Teilchen kombiniert werden können. Die Kokon Cardigan „Abendrot“ ist dabei mein absolutes Herzensprojekt. Schon seit fast einem Jahr feile ich mal mehr und mal weniger daran herum und habe sie nun endlich soweit, dass sie genauso aussieht wie ich es mir vorgestellt habe. Genäht habe ich mein Kuschel-Abendrot aus einem dicken Schurwoll Strick von MYO Stoffe (den Stoff findet ihr hier) und der ließ sich trotz beachtlichem Volumen überraschend gut verarbeiten. Passend dazu gibt es ein schlichtes, in 5 Minuten genähtes Minikleid – bestehend aus zwei Teilen -als Freebook. „Vogelfrei“ ist das Herbstschnittchen, welches alle Frauen die 30 Minuten vorm Verlassen des Hauses feststellen, dass sie „rein gar nichts zum Anziehen“ haben und sich schnell noch ein heißes Teilchen für kalte Tage tackern wollen (und können, denn Nähen können ist einfach mal nur geil :P) brauchen. Daher habe ich mich entschieden, den Schnitt möglichst einfach zu halten, damit auch Anfänger sich diese tolle Teil fertigen können, es tatsächlich in 5 Minuten geschnitten und genäht ist und mache es als Freebook auch für Alle zugänglich. Vogelfrei ist ein absolutes Basic für tolle Lagenlook Herbst-Winter-Kombis, und mit dem richtigen Stöffchen kommt auch ein Hauch Boho Feeling auf, wie ich euch im nächsten Teil der Herbstliebe noch besser zeigen werde. Dieses Vogelfrei ist aus einem Strick-melange-Jersey ebenfalls von MYO Stoffe (den Stoff gibt es hier) und ich muss sagen, dass ich lange nicht mehr so geflasht von einer Stoffqualität war, wie in diesem Fall. Der Jersey ist nicht zu dünn und nicht zu dick, atmet und lässt atmen und dazu absolut kuschelweich. Das Kleidchen ist bei mir momentan im Dauereinsatz und wird wohl am Ende des Winters schon ganz abgegriffen sein vom vielen „übers-weiche-Stöffchen-streicheln“. Ein echter „Streichelstoff“ ist eben einer, der auch nach dem Nähen weiter gestreichelt wird.

Der dritte Schnitt im Bunde ist etwas, dass ich schon lange vergebens gesucht habe: eine Weste im Boho Stil die ich Morgentau getauft habe. Diese kann, wie hier zu sehen, aus feiner Spitze gefertigt werden, ist aber auch für Strick- und Sweatstoffe geeignet und dadurch absolut Herbsttauglich. Die Spitzenvariante ist wirklich ein kleines Fashion Highlight. Ich habe hier eine extrem filigrane Spitze, die ich bei Susann Caplan in der Stoffsuchti-Facebook-Gruppe „Stoff Kamera Liebe“ erstanden habe verarbeitet, und es hat mich wirklich einige Nerven gekostet. Nach dem ich fertig war, habe ich auch noch ein Loch in das hauchdünne Gewebe gerissen, fällt aber gar nicht auf wenn man nicht weiß, wo man danach suchen muss. Die Schnitte werden jetzt peu á peu das Licht der Welt erblicken. Aktuell suche ich Probenäher, die meine Cardigan Abendrot auf Herz und Nieren testen. Habt ihr Lust? Dann schaut doch mal aufmerksam diesen Facebook Post an und bewerbt euch darunter 😉 Wer auch bei den anderen Schnitten mitmischen möchte, sollte in nächster Zeit die Augen offenhalten.

Ich habe mir fest vor genommen meine Herbstliebe-Serie innerhalb der nächsten zwei Wochen zu posten und bin gespannt, ob ich diesen guten Vorsatz einhalten kann 😛 Im nächsten Teil geht es Boho in den Herbst. Ich zeige euch wie wandelbar die drei Schnitte sind und habe auch ein Paar tolle Outfits und selbstgenähte Schätze in der Näh Community gefunden die hier gezeigt werden sollen. Des Weiteren habe ich ein Tutorial-Doppelpack für euch vorbereitet, mit denen ihr euch zwei meiner absoluten Must Have Accessoires für den Herbst-Winter fertigen könnt. (Na, wer hat eine Idee, was das sein könnte ?)

Einen ganz herzlichen Dank möchte ich in diesem Fall an Corina von MYO Stoffe richten, die mir diese wunderschönen Stoffe zur Verfügung gestellt hat und mir damit das Lieblingsoutfit der Saison beschert hat. Damit habe ich fast fertig und entlasse ich euch vollgequatscht und vollgestopft mit herbstlich-entschleunigten Impressionen, aber natürlich nicht ohne herbstlichen Musiktipp, ins Wochenende. Denn so ein bisschen „MIMIMI“-Kuschelmusik an kalten Tagen ist schon irgendwie obligat. Ich habe in den tiefen meiner Musiksammlung Ben Howard wieder hervorgekramt und mich neu in die Musik verliebt, vielleicht geht es euch ja auch so?

Macht es euch schön, bis die Tage
Herzlichst, die Matrossel